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Bildung von Formaldehyd aus Limonen in Duftprodukten

BRÜSSEL / STUTTGART (29. Januar 2016) ̶ Mitte Januar hat BBC im TV-Format "Trust me I am a Doctor" über mögliche Gesundheitsgefahren durch Formaldehyd berichtet, das aus Limonen aus Haushaltsprodukten mit Duft inkl. Duftkerzen unter Anwesenheit von Ozon gebildet wird.

Die Ergebnisse der zugrunde liegenden Messungen wurden auch auf BBC.com veröffentlicht, und seither haben viele Websites innerhalb und außerhalb Großbritanniens die Berichterstattung aufgegriffen und dadurch Verbraucher über die sichere Verwendung von Duftkerzen verunsichert.

Die Fernsehsendung und der Online-Artikel waren voller Fehldeutungen, auf die nachfolgend im Detail eingegangen wird.

Limonen ist ein Terpen (eines von vielen), das natürlich vorkommt. Es wird als synthetisch hergestellte Zutat in Düften verwendet, ist aber auch Bestandteil von vielen natürlichen ätherischen Ölen. Der Artikel suggeriert, dass im Haushalt verwendete Reinigungsmittel, Lufterfrischer und Duftkerzen hohe Formaldehydkonzentrationen durch die Emission von Limonen und dessen Folgereaktion mit Ozon verursachen. 
  • Formaldehyd ist eine weit verbreitete Substanz, die in der Innenraumluft praktisch immer vorkommt (durchschnittlicher Hintergrundwert von 22 µg/m3 oder etwa 18 ppb in der EU).

  • Laut Artikel betrug die höchste Formaldehydkonzentration knapp 60 ppb und wurde in einem Haus gemessen, in dem viel der Produkte verwendet wurde. Damit liegt sie deutlich unterhalb des strengsten Sicherheitslevels für Formaldehyd (80 ppb bzw. 100 µg/m3), das die WHO empfiehlt.
Wissenschaftlich betrachtet lässt der Artikel leider viele Fragen offen. ECA hat deshalb Professor Alastair Lewis vom National Centre for Atmospheric Science (NCAS) an der Universität von York (Großbritannien) kontaktiert, der angeblich die Untersuchungen für die BBC durchgeführt hat. Prof. Lewis hat über einige Hintergründe informiert, die für die richtige Bewertung des Artikels sehr hilfreich sind:

  • Prof. Lewis und sein Team haben lediglich die Messungen durchgeführt. Die Interpretation der Messergebnisse wurde durch die BBC-Journalisten vorgenommen, d.h. nicht von wissenschaftlichen Experten für solche Themen.

  • Prof. Lewis hat BBC darauf aufmerksam gemacht, dass der Umfang der Untersuchungen für Aussagen, wie sie letztendlich im Artikel getätigt wurden, bei weitem nicht ausreicht und sie daher statistisch nicht abgesichert sind. BBC hat diesen Hinweis aber nicht in den Beiträgen erwähnt. Formaldehyd wurde in lediglich drei Häusern gemessen.

  • Bei den Untersuchungen wurden keine Kontrollwerte bestimmt, d.h. es wurde nicht gemessen, wie hoch die Formaldehydwerte in den Häusern ohne die Benutzung von Duftprodukten lagen. Das wäre unverzichtbarer Bestandteil jeder wissenschaftlich fundierten Untersuchung. Das gemessene Formaldehyd könnte also ebenso gut von typischen Emissionsquellen wie beispielsweise Möbeln oder Bodenbelägen gestammt haben und überhaupt kein Folgeprodukt von Limonen gewesen sein.

  • Die Begründung einer sehr hohen Limonenkonzentration in manchen Häusern mit der Verwendung von Duftkerzen wurde ebenfalls von BBC aufgestellt, nicht von Prof. Lewis. Er hält es für äußerst wahrscheinlich, dass Raumdüfte und Haushaltsreiniger einen wesentlich höheren Beitrag zur Konzentration an Monoterpenen leisten als Kerzen. Außerdem enthalten auch Zitrusfrüchte typischerweise sehr viel Limonen. Das Öl in Orangenschalen enthält beispielsweise mehr als 90% Limonen, d.h. schon das Essen von Orangen kann einen erheblichen Beitrag zur Limonenkonzentration in Raumluft darstellen.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die TV-Sendung und der Online-Artikel von BBC (und entsprechend auch die zahlreichen Folgeberichte auf anderen Webseiten) nur ein weiteres Beispiel für die Schauergeschichten mit erschreckend wenig Substanz sind, die bereitwillig die wissenschaftliche Korrektheit für höhere Zuschauer- und Leserzahlen opfern.

Die europäische Kerzenindustrie legt allerhöchsten Wert auf die Sicherheit von Duftkerzen und ihrer Inhaltsstoffe und stellt diese seit Jahrzehnten durch wissenschaftliche Forschung sicher. Strenge rechtliche Anforderungen und darüber hinaus gehende Selbstverpflichtungen gewährleisten, dass Verbraucher Duftkerzen sicher verwenden können.