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Position der ECA zur BfR-Stellungnahme vom 11. November 2013 hinsichtlich einer Begrenzung von Blei, Nickel und allergenen Duftstoffen in Kerzen

Am 24. Januar 2014 hat das deutsche BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) eine Stellungnahme zur Begrenzung von Blei, Nickel und allergenen Duftstoffen in Kerzen veröffentlicht (BfR-Stellungnahme Nr. 004/2014, 11. November 2013). Die europäische Kerzenindustrie, vertreten durch AECM, A.I.S.E. und ECA, stellt die wissenschaftliche Basis der BfR-Stellungnahme im Hinblick auf alle drei angesprochenen Substanzen bzw. Substanzgruppen in Frage.

Dieses Dokument bezieht sich lediglich auf den Teil der BfR-Stellungnahme, der eine strengere Regelung für die Ver-wendung von Duftinhaltsstoffen mit hautsensibilisierenden Eigenschaften in Kerzen empfiehlt. Ein separates Dokument wird sich mit der BfR-Stellungnahme im Hinblick auf Blei und Nickel in Kerzen befassen.

Zunächst einmal ist die Feststellung, dass das Einatmen von Hautkontaktallergenen unter norma-len und sogar extremen Bedingungen bei der Anwendung von Produkten zu einem Aufflackern („flare up“) eines Kontaktekzems bei bereits vorher sensibilisierten Personen führen kann, beson-ders fragwürdig. Bei der Referenz, die als Nachweis hierfür angeführt wird, handelt es sich um eine Veröffentlichung von Axel Schnuch. Allerdings wird in dieser Veröffentlich klar gezeigt, dass diese „flare ups“ nur bei sehr unrealistischen Expositionsbedingungen beobachtet wurden und die entsprechenden Patienten keinerlei Symptome gezeigt haben, als sie realistischen „worst case“ Expositionen ausgesetzt wurden. Die von Axel Schnuch durchgeführte Studie stützt die in der BfR-Stellungnahme getroffenen Schlussfolgerungen daher unserer Meinung nach nicht.

Zudem basieren die Schlussfolgerungen des BfR auf einer Gefahrenbetrachtung und vermischen das Vermeiden der Entwicklung einer Sensibilisierung mit dem Vermeiden des Auslösens eines Kontaktekzems. Das Vermeiden der Entwicklung einer Hautsensibilisierung wird bereits durch die Definition der sicheren Verwendungskonzentrationen von Duftinhaltsstoffen erreicht, die in einem weltweit akzeptierten Risikomanagementsystem festgelegt werden, den IFRA Standards. Die Aus-lösung eines Kontaktekzems bei bereits zuvor sensibilisierten Personen wird allgemein dadurch vermieden, dass keine Produkte mit Inhaltsstoffen verwendet werden, auf die diese Personen al-lergisch reagieren. Der Versuch einer grundsätzlichen Reglementierung von Kerzen für die allge-meine Bevölkerung ausgehend von einer kleinen Teilgruppe, die bereits durch andere Mechanis-men geschützt wird, erscheint unverhältnismäßig.

Die BfR-Stellungnahme führt mehrmals ein „Sachverständigengespräch“ (Referenz 11 der BfR-Stellungnahme, siehe Referenz 1) an, das als einer der wichtigsten Beweise zur angeblichen Un-termauerung der Sichtweise des BfR beitragen soll. Dabei handelt es sich um einen Bericht über Ansichten, die im Rahmen eines Treffens diskutiert wurden. Es handelt sich nicht um auf Studien basierende Nachweise, die in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht und durch Fachleute überprüft wurden. Noch viel bezeichnender ist aber das abschließende Fazit in diesem Bericht. Hier heißt es „Alle Sachverständigen stimmten darin überein, dass durch Sprays und Duftstoffe verursachte Allergien kein prioritäres gesundheitliches Problem darstellen.“ und „Die Sachverstän-digen stimmten darüber überein, dass zurzeit keine erkennbare Notwendigkeit für eine darüber [derzeitige gesetzliche Verpflichtungen] hinausgehende Regulation besteht.“ und nochmals „…dass nach ihrer Auffassung [der Auffassung der Experten] die bestehenden gesetzlichen Regelungen ausreichend seien.“. Diese Aussagen stehen im Widerspruch zur BfR-Stellungnahme.

Es muss betont werden, dass Kerzen - im Gegensatz zu Spielzeug und Kosmetika - in die Anwen-dungsbereiche der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 und der CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 fallen, die die Sicherheit der Verbraucher bei Handhabung und Anwendung der Pro-dukte garantieren. Die CLP-Verordnung beschreibt auch die Bedingungen, unter denen sensibili-sierende Inhaltsstoffe verwendet werden können. Sie definiert eindeutige Schwellenwerte für die Einstufung und Kennzeichnung, falls sensibilisierende Stoffe in Kerzen enthalten sind, und stellt geeignete Informationen zur Verfügung, um einerseits die Minderheit schützen, die tatsächlich allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe reagiert, und gleichzeitig dem überwiegenden Teil der Be-völkerung, der keinerlei Probleme bei der Verwendung hat, einen sicheren Umgang mit dem Pro-dukt zu ermöglichen.

Falls es wissenschaftlich bewiesene Anhaltspunkte dafür geben sollte, dass Risiken anders bewer-tet werden sollten, dann sollte das im Rahmen der CLP-Verordnung für alle Produkte mit sensibili-sierenden Inhaltsstoffen adressiert werden und nicht als Zusatz zur Richtlinie 2001/95/EG für le-diglich eine sehr begrenzte Anzahl an Produkten ¹.

Abschließend kann festgehalten werden, dass die Sicherheit der Verbraucher höchste Priorität für die europäische Kerzenindustrie hat. Aus den oben genannten Gründen ist sich die Kerzenindustrie sicher, dass der derzeitige Rechtsrahmen ausreichend Sicherheit bei der Verwendung von Duftstoffen mit hautsensibilisierendem Potential in Kerzen bietet und die Einführung von zusätzlichen Maßnahmen des Risikomanagements nicht gerechtfertigt ist.

Referenzen:
1.    Sachverständigengespräch auf das sich die BfR-Stellungnahme bezieht (Referenz 11: Schäfer, B., Platzek, T., Henkler, F., Luch, A., 2009. Bericht über ein Sachverständigengespräch "Inhalativ verursachte Allergien durch Sprays und Duftstoffe?" im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Umweltmed Forsch Prax 14 : 33-37).


¹ European Commission Decision on the safety requirements to be met by European standards for candles pursuant to the General Products Safety Directive 2001/95/EC.